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Archive for August 2008

Für eine konzertierte Aktion werden noch BloggerInnen gesucht, die sich auf vielfältige Weise Gedanken zu Hartz-IV, ALG-II, 1-Euro-Jobs oder Sozialsystemen überhaupt machen wollen. Die Beiträge können von literarischen Kurzgeschichten, satirische Hiebe nach allen Seiten über künstlerische Darstellung, Comics, T-Shirt-Entwürfe bis hin zu ausformulierten Analysen des totalen Verblendungszusammenhangs oder auch nur eines Forumsthreads reichen. Es geht dabei nicht darum, theoretische Einstimmigkeit zu verbreiten, sondern vielmehr eine verwirrte Debatte weiter zu verwirren, die Widersprüche auf die Spitze zu treiben und letztlich gerne auch mal ganz individuellen Frust abzulassen. Eine Zensur findet nicht statt, lediglich ein Aussortieren allzu übler Gesinnungen, mit denen man sich nicht gemein machen möchte. Alle Beiträge werden am gleichen Tag gepostet, eine jeweils nach- oder vorzuordnende Linkliste soll alle Beiträge zum interaktiven Online-Reader machen.

Vorschläge können an nichtidentisches@[löschmich]web.de gesandt werden.

Ungefährer Redaktionsschluss ist der 21.9.2008, Beiträge bitte so zeitnah wie möglich anmelden.

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FGM in Ghana

Auch wenn es einigen Postmodernen nicht passt: “Women call for media support – in fight against FGM

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Ein sehr interessanter Artikel auf Iran-Focus ergänzt die etwas plumpen Israel vs. Iran-Szenarien um eine dritte Dimension: Saudi-Arabien. Schon seit längerem ist die Position aus Saudi-Arabien bekannt, man würde es vorziehen, der zionistische Erzfeind würde Irans Atomwaffenpotential eliminieren. Ob das in Saudi-Arabien am antisemitischen Hauptwiderspruch kratzt, sei dahingestellt. Anscheinend drängt die Zeit aber derart, dass nun auch die Saudis nicht mehr länger hinter dem Berg halten können und ernsthaft überlegen, selbst den preemptive strike durchzuführen.

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Der Vorschlag von Ulla Schmidt, Arbeitslose doch in Pflegeberufen unterstützend einzusetzen, ist nur die logische Fortsetzung eines nach unten offenen Verfalls demokratischer Prinzipien. Auffällig ist nicht der Vorschlag an sich, sondern seine verquaste Rechtfertigung: Arbeitslose, und hier vor allem Frauen, sollen so “zurück in ihren Beruf” finden. Offensichtlich wirkt aber ein anderer Zusammenhang: Weil Pflegeberufe skandalös unterbezahlt und durch Intensivierung mit Belastungen jenseits aller Grenzen verbunden sind, entstanden 10 000 Leerstellen. Gleichzeitig wurde und wird Pflegepersonal entlassen, das die Intensivierung nicht verkraftet. Im Rahmen der Zivildienste wurde eine ähnliche Debatte erschöpfend geführt: Die “Unterstützung” durch Zivildienstleistende hat zu einer Absenkung des Lohnniveaus in Pflegeberufen geführt und mitnichten eine bessere Pflege garantiert. Anstatt das Notwendige professionellen ArbeiterInnen bei halbwegs gewahrtem Äquivalententausch anzuvertrauen, setzt man an neuralgischen Punkten ein unerfahrenes, desorganisiertes Lumpenproletariat ein, das stark zwischen den Stellen frequentiert und so zum Widerstand nicht in der Lage ist. Doch die modernen Streikbrecher werden nicht mehr mit Prämien geködert, ihnen selbst ist das Streiken gegens Streikbrechen untersagt: Wer sich widersetzt, bekommt im Falle des Zivildienstleistenden strafrechtliche Konsequenzen zu spüren, im Falle des Arbeitslosen wird ihm die Stütze entzogen.

Hätte Ulla Schmidt Sorge um die Qualität der Pflege, so stünden ihr als zuständige Ministerin ausreichende Mittel zur Verfügung, diese selbstverursachten Missstände aufzuheben. Die Verlockung, die Reservearmee des Proletariats auf niedrigstem Niveau auszubeuten, geht weniger aus ökonomischen Zwängen hervor, als aus der Vorstellung, diese Reservearmee hätte nichts besseres zu tun, sei ein abrufbarer Klonkrieger im Kälteschlaf oder in der Phantasie der Werktätigen: ein ewiger Florida-Rolf. “Freiwillig” könne man sich um die Stellen “bewerben”, es sei also doch nichts Falsches daran, man erhalte “Berufserfahrung”. Wer mit den Kreisjobcentern und Arbeitsagenturen zugange ist, weiß, wie eine solche Freiwilligkeit aussieht. Da erklärt einem der Job-Akademie-Betreuer, man habe die Maßnahme doch angefragt und einen Antrag gestellt, warum man denn so unwillig sei. Tatsächlich ist man als “Antragsteller” im Vertrag aufgeführt, die Freiwilligkeit besteht darin, zwischen Streichung von Geldern und Unterschrift unter den “Antrag” zu wählen. Ähnlich perfide wird die Freiwilligkeit bei den “Bewerbungen” geartet sein. Wer sich nicht auf eine solche “Stelle” bewirbt, wird eben als “nicht arbeitssuchend” bewertet und erhält keine Leistungen mehr. Wo man sich in den Feullietons und auf Seiten einiger FDP-Politiker Sorgen um die Qualität der Pflege macht, sollte man sich viel eher Sorgen machen um die Verfasstheit einer Gesellschaft, die den Abstieg in die offene Sklaverei – von der noch ein weniges an unmittelbarer Gewaltanwendung trennt, (soviel Marx muss sein) die Richtung ist indes eingeschlagen – noch mit Termini wie Freiwilligkeit verbrämt. So frech, den Sklaven zu unterstellen, sie wären freiwillig auf den Plantagen, waren noch nicht einmal die nord- und südamerikanischen Sklaventreiber. “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen” – gerade auf dem bislang unerreichten Höhepunkt der Produktivität dringt dieser faschistische Lehrsatz aus jeder Pore der deutschen Ideologie.

Mehr dazu unter:

Der Euphemismus – Instrument der Herrschaftsausübung

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1982/83: Während deutsche Kinos eine durch die Synchronisation zur Satire verkommene Version von “First Blood” (Rambo I) zeigen, entfaltet der Film in England seine volle Wirkung auf das begeisterte Publikum. “Der Sohn von Rambow” setzt hier aus der Perspektive von sehr unterschiedlichen zwei elfjährigen Jungen ein. Der eine ist Teil einer vaterlosen Familie aus der Brüderbewegung, die den Konsum von Filmen und Musik verbietet und Frauen den Männern unterordnet. Für ihn bedeutet die zufällige Lektüre des Films Inspiration zur Ablösung vom Kollektiv der Brüdergemeinde und eine Integration in die übrige Gesellschaft. Der andere lebt ohne Eltern, ist an seinen ihn abwehrenden Bruder gebunden und übt sich in Aufsässigkeit. Für ihn wird Rambo zu einem Medium, mit dem er Anerkennung in der Gesellschaft sucht und die Nähe einer Freundschaft erzeugen kann. Beide werden zusammengebracht und drehen ihre Version von “First Blood” mit dem Titel “Der Sohn von Rambow”. Es entsteht ein Geflecht aus Autonomiekonflikten auf allen Seiten: Die religiöse Familie löst sich von der Brüdergemeinde, der Sohn von der Passivität. Der Raufbold und Tunichtgut lernt, als kreatives Individuum in der Gesellschaft zu bestehen. Ein französischer, dandyhafter Austauschschüler findet zur jungen Filmcrew und damit persönliche Befriedigung seiner Kreativität.

Äußerst sympathisch ist an der Geschichte die Absage an Kollektive.

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Zur Free-TV-Premiere eines überaus sehenswerten Schwachsinns am Sonntag hole ich mal einen meiner ersten Artikel aus dem Keller, dessen etwas holzschnittartige Dürftigkeit man verzeihen mag, die Kritik bleibt davon hoffentlich unversehrt.

Spielbergs München

„Wir haben Spielberg verloren“, schreibt Jack Engelhard, „Spielberg ist kein Freund Israels, Spielberg ist kein Freund der Wahrheit.“

Jedoch, selbst wenn denn all das wahr gewesen wäre, wenn die zu Beginn des Filmes weiß auf schwarz eingeblendete Beteuerung, dieser Film beruhe auf wahren Begebenheiten, nicht vollkommen wahnhaft, suggestiv und überheblich wäre, was rechtfertigt die spezifische Darstellungsweise, die Spielberg wählt?

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Ernst Barlach: “Der Rächer”

„Rambo, der; -s, -s [nach dem amerikanischen Filmhelden]: (ugs.) jmd. der sich rücksichtslos [u. mit Gewalt] durchsetzt; Kraftprotz.“ (Das große Fremdwörterbuch – Duden)

Die Umgangssprache hat den Begriff „Rambo“ okkupiert. Woher diese semantische Kaperfahrt ihren Freibrief bezieht, leitet sich eher aus einem sublimierten oder offenen Antiamerikanismus als aus einer qualifizierten analytischen Filmlektüre ab. Diese lässt allerdings auf sich warten. Außer einem aufschlussreichen Interview mit Christopher Vogler und den Audiokommentaren von David Morell und Silvester Stallone – sämtlich generöse Dreingaben der Rambo-Trilogy-DVD-Box – schweigt die Wissenschaft zum Phänomen Rambo, sofern sie sich nicht noch als Insinuant von Ressentiments gegen den Film betätigt. Man mokiert sich gerne darüber, wenn afrikanische Kindersoldaten oder Dschungelkämpfer sich „Commander Rambo“ nennen, ein ernsthaftes Interesse an der Vermittlung von intrapsychischen Konflikten in der postbürgerlichen Gesellschaft und dem fiktionalen Drama um den Kulturheros Rambo schlägt sich jedoch zumindest nicht in Publikationslisten oder Bibliothekskatalogen nieder.

Das oberflächliche Muster aller Filme ist sicherlich einfach: Der ausgestoßene Loner John Rambo wird durch dramatische Verstrickungen in Situationen gebracht, in der ihm Gewalt als einziger, legitimer Ausweg bleibt. Dadurch entsteht eine perpetuierte Verfolgungsjagd, bei der eine verfolgte Person letztlich zum siegreichen Verfolger wird oder zumindest die Verfolgung abwehrt. Würde man die Rambo-Filme auf dieses Muster reduzieren, träfen BARTHES Analysen der kleinbürgerlichen Kultur mit ihrem Abhub auf Erwartung, Suggestion und Initiation zu.

Es gehört zum kleinbürgerlichen Ritual […], daß man so lange warten läßt, bis sich die Spannung eingestellt hat, die so untrennbar gemischt ist mit Heilserwartung und Wut. (Barthes nach Schiwy 1973: 21)

Diese Erklärung in klassenkämpferischer und kulturkritischer Absicht wäre allzu plan. Für James Bond und zahllose andere zweitklassige Krimis, Gauner- und Detektivgeschichten mag solches oder ähnliches zutreffen. Die Rambo-Filmreihe ist allerdings zu komplex, als dass man sie auf Nervenkitzel und nur kulturindustriellen Unterhaltungswert reduzieren könnte. Sie ahmt nicht bürgerliche Kultur nach, sondern geht aus ihr hervor und entwickelt sie auf höchstem Niveau weiter – stets an den Grundfesten bürgerlicher Ideologie nagend, auf denen sie zugleich wie alle Kulturindustrie baut. Wesentlich mehr Aufschluss bietet es daher, wenn wir die „Dialektik der Aufklärung“ – ausnahmsweise weitgehend jenseits des Kulturindustriekapitels – mit der Rambo-Reihe synchronisieren. Erst dann wird die intellektuell inspirierte Tiefenwirkung der Rambo-Mythologie auf ein massenhaftes Publikum nachvollziehbar und die inhärente Zivilisationskritik ebenso wie der innerhalb kulturindustrieller Verhältnisse stets zum Verrat anstehende emanzipatorische Anspruch darin sichtbar. Von dieser These ausgehend starten wir, ADORNO und HORKHEIMER wie gleichermaßen deren Basis, MARX und FREUD im Hinterkopf behaltend, einen mitunter waghalsigen Streifzug durch die Filmreihe – wie John Rambo selbst riskieren wir dabei Verstand und Kragen, verfolgen, was uns verfolgt, kündigen im Kampfhubschrauber der Theorie die Sicherheit der wohligen positivistischen Trennung von Subjekt und Objekt auf.

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Die UN zieht sich derzeit endgültig aus der Zone zwischen Eritrea und Äthiopien zurück. Zwei gleichermaßen unsympathische Staaten, die in Sachen Pressefreiheit und Menschenrechte auf den letzten Plätzen rangieren, sind damit auf dem Sprung, ihren alten Konflikt wieder kriegerisch auszutragen. Auch wenn Eritrea den letzten Krieg sowohl verursachte als auch verlor, wurde ihm im Wesentlichen genau jenes Land zugesprochen, das es annektieren wollte. Äthiopien akzeptierte diese oktroyierte “Konflikt-Lösung” durch die UN-Grenzkommission nicht und seither sorgte UNMEE vor Ort für Spott und Häme. Eritrea, das sich militärisch in einer schwächeren Position befindet als Äthiopien, übt sich auf einmal in Kritik am Abzug, den es durch seine boykottierende Haltung maßgeblich auslöste.

Im benachbarten Somalia tobt indes der Stellvertreterkonflikt zwischen den von Eritrea und Al-Qaida mitfinanzierten Islamisten und den mit der Übergangsregierung verbündeten äthiopischen Truppen. Die von der African Union versprochenen 8000 AU-Soldaten sind immer noch nicht angekommen, die Hauptlast der wieder erfolgreichen islamistischen Aggressionen tragen derzeit 1300 AU-Soldaten aus Uganda und die äthiopische Armee. Allein in Mogadishu werden dagegen etwa 3000 islamistische Kämpfer vermutet. Die Chance, Somalia nach der äthiopischen Intervention und der vorübergehenden Zerschlagung der islamistischen Verbände zu einen und zu stärken, wurde einem Experiment geopfert: regionales Konfliktmanagement sollte der AU die Gelegenheit bieten, sich als starke Regionalmacht zu präsentieren. Bei dieser Rechnung wurde allerdings der desolate Zustand der afrikanischen Armeen, ihrer Verwaltung und der Regierungen als vernachlässigbarer Faktor benannt: Die Opfer dieser zynischen Rechnung sind jene Somalis, die in Somalia, Somaliland und Puntland auf stabile, friedliche und halbwegs freie Verhältnisse hoffen. Sie erfahren erneut den Unwillen und die Unfähigkeit der UN, mit vergleichsweise wenigen militärischen Mitteln selbst bei einer größtmöglichen Chance, wie sie sich nach der äthiopischen Intervention bot, irgend etwas Positives zu bewirken. Der AU geht mittlerweile auf, dass sie durch die UN nach Strich und Faden betrogen wurde. So sagte der südafrikanische UN-Botschafter jüngst laut BBC: “[...] the AU is doing a job that the UN is supposed to be doing.” Und selbst das ist noch gelogen, bestehen die AU-Truppen doch bislang lediglich aus 1300 ugandischen Soldaten, während Südafrikas Regierung sich nach Kräften bemüht, im benachbarten Simbabwe die Todesschwadronen Mugabes gewähren zu lassen und sogar zu bewaffnen.

Am Horn von Afrika werden indes von Oxfam 13 Millionen Menschen als mögliche Todesopfer einer aufziehenden Hungerkatastrophe ausgemacht: Eine Dürre plagt die Region während in Südafrikas Häfen 80 000 Tonnen Nahrungsmittel verrotten, weil – anders als deutsche Freizeitargonauten – kein vernünftiger Kapitän mehr sein Schiff durch die von Piraten besetzten Gewässer Somalias fahren will. Die vor der Küste stationierte deutsche Marine hat anscheinend kein Mandat, Piraterie zu bekämpfen. Das ist laut Amigues/Bishops vor allem der innerdeutschen CDU-Politik geschuldet. Während in Afghanistan deutsche Soldaten durchaus Polizeiaufgaben übernehmen, will die CDU durch die Verweigerung der Zustimmung zu einem solchen verfassungsrechtlich bereits prinzipiell möglichen Vorgehens am Horn von Afrika die SPD dazu erpressen, die Trennung von Bundeswehr und Polizei endgültig aufzuheben. Weil bei den derzeit der Bundeswehr zugeordneten Auslandseinsätzen in Guerillakriegen logischerweise keine klare Trennung von militärischer Aktion und Polizeiarbeit vorzunehmen ist, wäre die Forderung nach einer Neuregelung bei Auslandseinsätzen durchaus nachvollziehbar. Diese Rationalität wird allerdings von der CDU nur zu offensichtlich instrumentalisiert, um dem notorischen Faschisierungskurs der Partei als Profilwetzstein zu dienen. Jede weitere Auflösung der Trennung von Polizei und Bundeswehr ist somit Wasser auf die Mühlen der ewigen Scharfmacher und “tough guys” innerhalb der CDU/CSU. Die Konsequenz daraus wäre, einem demokratischeren Staat, bei dem man nicht bei einem humanitären und somit in Somalia eben militärischen Einsatz gegen islamistische Guerillas den Verfall von demokratischen Institutionen und den Ausbruch des Faschismus im eigenen Land befürchten müsste, die Befehls-Obhut über eine so diffizile Konfliktregion zu überantworten und Deutschland nur noch entsprechend zur Kasse zu bitten. Dem allerdings steht die Kolonialmacht-Attitüde der Bundeswehr entgegen, die jede Präsenz im Ausland als Siegestrophäe über die in Jugoslawien erstmals offen und lautstark in aller Widerwärtigkeit gebrochene deutsche Verteidigungsdoktrin braucht.

Die EU beruhigt ihr Gewissen mit lauwarmen Geldgeschenken: Satte 21 Millionen Euro, etwa der Preis von wenigen Kilometern Autobahn, schickt sie mit zweifelhaften Vorgaben auf den Weg nach Somalia und Eritrea. Das ist jedoch allemal billiger, als ein Militäreinsatz, der Somalia endgültig von den islamistischen Guerillas und den kriminellen Banden befreien würde, die Produkt und Ursache des derzeitigen Zustandes zugleich sind. Erfahrungsgemäß wird solcherlei nicht militärisch geschütztes Kapital über die zahllosen Straßensperren und Schutzgelderpressungen in die Kassen der Milizen fließen. Den Militäreinsatz gegen solcherlei über Hilfslieferungen finanzierte Guerillas überlässt man getrost der notorisch bankrotten AU und den USA, die dann für die gelegentlichen zivilen Opfer von Luftangriffen mit allen Zeigefingern angeprangert werden können, während man selbst die Hände im Blut der Opfer der Nichteinmischung wäscht.

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Wenn der Franke nicht weiß, wie er seine Touristen bei Laune halten soll, lässt er sich mannigfache Attraktionen einfallen. Da sinnt er dann darauf, was seine Goldesel wohl so sehen wollen. Sicher würden manche Radfahrer gerne öfter Gelegenheit erhalten, legal und stressfrei auf irgendwelchen Wiesen am Ortsrand zu biwakieren und so den gefürchteten Delikt des “Hausfriedensbruchs” oder manches Ordnungsgeld zu vermeiden. Tiefer noch als seine Freude am Kapitaleintrag duch den Touristen wurzelt beim Franken allerdings die urdeutsche Furcht vor Zigeunern und Obdachlosen, die durch derlei Infrastruktur nur auf den falschen Gedanken gebracht werden könnten, hier sei man etwa auch ihnen wohlgesonnen. Der Franke wälzt also hin und her: er braucht seine Attraktion. Und so benennt er also einfach bereits existierende Radwege mit weiteren vielversprechenden Namen wie “Karpfenradweg“, was den Radfahrer entlang der wahrlich sehenswert mäandrierenden Wörnitz nahe Dinkelsbühl darauf verweisen soll, dass man hier besagten Edelfisch zu züchten, zu erlegen und zu verspeisen versteht, eine hohe Kunst, deren wässrige Zeugen man in den am Wegesrand verstreuten Karpfenteichen schon immer bewundern wollte. Wer da noch nicht zufriedengestellt ward, den schickt der Franke auf seine Spezialität: Die “Oberamtstour“.

Den Touristen, die danach noch den Genuss der lokalen Spezialität überlebten, verkauft der Franke in Ermangelung von Holzindianern ausgestopfte andere Franken, die mit Devotionalien behangen werden. Hat der Tourist dann noch Geld übrig, für das er vielleicht einige Mitbringsel erwerben möchte, stehen ihm an jeder Ecke Läden zur Verfügung, die das Beste, was die fränkische Hobbywerkstatt zu bieten hat, zu Schleuderpreisen als höchsten Ausdruck deutscher Kunstfertigkeit feilbieten.

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Carl Djerassi, Mit-Erfinder der Anti-Baby-Bille, Naturwissenschaftler und Literat, hat mit „Vier Juden auf dem Parnass” ein für den vorgebildeten Leser gedachtes Theaterstück geschrieben. Walter Benjamin, Theodor W. Adorno, Gershom Scholem und Arnold Schönberg treffen sich darin nach ihrem Tod auf dem Parnass, dem von Paul Klee in “ad parnassum” verbildlichten Ausdruck höchster Genialität, um über einige ihrer Intima zu plauschen und übersehene wie missverstandene oder fehlerhafte Passagen ihrer Werke Revue passieren zu lassen. Als dramaturgischen Überraschungseffekt lässt Djerassi die Ehefrauen der Protagonisten jeweils hinzutreten und die Männerrunde stören. So erschließt Djerassi in dem stilistisch hervorragenden fiktionalen Biographie-Luststück einen Raum, in dem er über persönliche Animositäten und das intellektuelle Umfeld, die Verbindungen zwischen den Autoren und Künstlern sowie eigene Thesen Aufschluss geben kann. Das alles könnte so informativ, amüsant und eingängig sein, wie es sich lesen lässt, wenn nicht das Thema, dem sich die vorgestellten Protagonisten Zeit ihres Lebens zu nähern suchten, so alles andere als erheiternd wäre. Kritische Theorie wird gänzlich vom genialen Small-Talk abgetrennt, die geschichtliche Notwendigkeit des Gedachten erscheint im Extremfall als bloße Marotte. Das Gershom Scholem in den Mund gelegte Zitat Djerassis macht diese Haltung deutlich: “Halt, halt! Das ist weder die Zeit, noch der Ort, um die Dialektik des Antisemitismus zu rekapitulieren. Machen wir es einfach und persönlich – nicht intellektuell.” Die Empörung über den Antisemitismus, die Adorno, Scholem und Benjamin gemeinsam war, wird verflacht in eine Diskussion über das Jude-Sein.

Der Drang ins Private, wie er sich in der Veröffentlichung der Briefwechsel aller möglicher Autoren schon ausdrückt, veräußert den kritischen Gehalt der Theorie und lenkt vom gesellschaftlichen Grauen ab, das jene zuinnerst bedingte. Die Verzweiflung darüber, dass Philosophie den Moment ihrer Verwirklichung verpasste (Adorno), sublimiert sich im Privatismus als betuliches Lächeln über die Macken und Eigenheiten derer, die man als allzumenschliche Menschen sehen will, wo das gesellschaftliche, bedrohliche Abstrakte ihrer Werke doch ihre Berühmtheit bedingte. Die kritische Lektüre von Texten wird dadurch auf das Niveau von leicht bekömmlichem Klatsch und Sensationslust gedrückt – ein Zusammenhang, den Djerassi erkennt, benennt (etwa auf S. 28) und dennoch, wenngleich auf sehr hohem Niveau darauf zurückfällt. So interessant dann Djerassis eigene Thesen über die Bedeutung von Novus Angelus, den er durch Benjamin für über- oder zumindest falsch bewertet hält, sind, so befremdend und deplaziert wirken sie in der Kombination von dramaturgischem Dialog und den aufdringlichen und etwas kitschig-bemühten Collagen von Gabriele Seethaler, die dem Text als künstlerischer Rahmen beigesellt sind. Was Djerassi trotz alledem leistet, ist eine De-Sakralisierung des Quartetts. Der reale Narzissmus der toten Genies wird mit dem der unkritischen Leserschaft kontrastiert. Der blindwütigen Rezeption von Benjamins Interpretation des Angelus Novus stellt Djerassi die berechtigte Frage nach der von Paul Klee angedachten Eigenwertigkeit des Bildes. Wo der autoritäre Charakter sich sein Weltbild durch bloße Identifikation mit wahrheitsumwitterten Geistesgrößen spinnt, befördert Djerassi das in der Kritischen Theorie enthaltene Misstrauen gegen die Ablösung des Geistigen von seinen gesellschaftlichen und individuellen Bedingungen. Die sensationistische Aufbereitung der individuellen Fehlerhaftigkeiten trägt dann zur Profanisierung der Genies und somit zur Kritikfähigkeit diesen gegenüber bei.

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Deutsche Städte haben einen je unterschiedlichen Zugang zum Umgang mit den Toten des zweiten Weltkrieges gefunden. Während die einen eher bescheidene Denkmäler mit Titeln wie “Nie wieder…” oder “in Trauer um…” wählten, zeigt sich in Dörfern wie Klepsau an der Jagst der Drang zum ewiggestrigen Protzen mit der nationalsozialistischen Gesinnung. Rings um die Kirche ziert jedes Haus ein Marienaltar, vor der Kirche prunkt symbiotisch ein Märtyrerdenkmal in Marmor und Blattgold. “Die dankbare Gemeinde” verehrt unter dem eisernen Kreuz ihre “tapferen Helden” für das Morden und Brandschatzen im Osten, das Gemetzel an den alliierten Streitkräften, die Vernichtung der europäischen Juden, an deren ehemalige Anwesenheit in ähnlichen Dörfern oft noch eine alte Synagoge oder ein alter jüdischer Friedhof erinnert. Der Nationalsozialismus ist mitnichten im Rückzug auf deklassierte Ostgebiete begriffen: In einer der reichsten Regionen der Welt, Baden-Württemberg, mit einer Arbeitslosigkeit von gerade einmal 6% und einer flächendeckenden Versorgung mit Gymnasien, Freibädern und Ärzten ist das Fortwesen nationalsozialistischer Gesinnung kaum aus vulgärmaterialistischer Expertise abzuleiten. So sind die Klepsauer Nazis weder besonders arm noch ungebildet, sie lernten Latein und wählen brav ihre CDU oder auch SPD. Sonntags gehen sie in die Kirche hinter dem Denkmal, um Nächstenliebe und Frieden zu erbitten. Es hat sich vielmehr über Jahrhunderte hinweg eine kulturell bedingte Immunität gegen kritischen Geist und Selbstreflexion eingeschlichen. Die dem so in die Hirne zementierten autoritären Charakter gut zu Gesicht stehende Identifikation mit den vermeintlichen Helden und Altvorderen findet in dieser Region ihr Pendant in der Götzenverehrung. Im benachbarten Krautheim befindet sich jenes Denkmal an den Ausspruch des Götz von Berlichingen, sein Duellant könne ihn “von hinden lecken”. Das sich in allen touristischen Schriften der Region in zahllosen vielsagenden Andeutungen und Pünktchen ergehende verklemmte Gekichere darüber trägt das Zeichen der mit äußersten Gewalt unterdrückten (Homo-) Erotik, die sich letztlich auf Heldenverehrung zurückzieht: diese toten Männer können ebenso gefahrlos geliebt werden, wie in den Klöstern die erotischen Marienbildchen. Den “Fremden” verkauft man derweil von Rothenburg bis Schöntal ungenießbares Gebäck als regionale Spezialität, lockt sie mit Radwegen in Hinterhalte aus Höhenmetern, um ihnen drittklassige Sehenswürdigkeiten als kulturelle Leistung zu präsentieren oder ihnen den desolaten Zustand des Hausflusses im fernen Tal zu verheimlichen. Wehe den stets willkommenen Fremden jedoch, wenn St. Anna oder die Heilquelle vor Ort auf einmal nicht mehr hilft – dann packen dankbare Gemeinden eben jederzeit wieder tapfere Helden aus.

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Die Herbsthäuser Brauerei fühlt sich berufen, der Volks- gesundheit einen Schädling vom Halse zu halten. Sie versteht ihr Bier als Insektizid gegen Heuschrecken, vulgo: Ausländer. Während „mehr als zwei Dutzend“ deutsche Brauereien bereits „von ausländischen Bierkonzernen regiert werden“, seien die Herbsthäuser Sudkessel „fest in privater Hand“. Welche Auswirkungen es tatsächlich hat, wenn Kapital aus dem Ausland einigen der über 500 bayrischen Brauereien unter die Arme greift, wo deutsche Bierkonzerne im Ausland aktiv sind und etwa bis Shanghai ihr Hefeweizen verkaufen, das interessiert das nationalsozialistisch imprägnierte Ressentiment wenig. Bierselige Bodenständigkeit paart sich mit jener urdeutschen Gemütlichkeit, die äußersten Aggress gegen alles Fremde, Hinzugezogene bedeutet. Eine familiäre Führerfigur, der redliche, gütige auf Qualität und Fairness bedachte „Inhaber“ mit persönlichen Kontakten zur Heimat und den Kunden, tritt bei Herbsthäuser an gegen „Manager“, „Konzernbrauereien“, „Aktienkurse“, Warentransport, Preisdruck, „Plastikpulle“, „Fernsehstars“ und „Lifestyle“. Ein solches Gebräu kennt man aus den Propagandaschriften der Nazis wie der aufs Volk bedachten Parteien von links bis rechts zu Genüge.

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