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Archive for November 2008

Die Hagiographie für Oevermann aus der Hand Hans-Josef Wagners feiert den Begründer der “Objektiven Hermeneutik” als neuen Adorno:

“Keine andere Position als die Oevermanns ist näher an dem, was Adorno als Ziel seiner »Negativen Dialektik« ansah und als »Utopie der Erkenntnis« bezeichnete, nämlich: »das Begriffslose mit Begriffen aufzutun, ohne es ihnen gleichzumachen«.”

Es stellt sich allerdings die Frage, warum eben jener neue Adorno sich auf einer Methodentagung strikt von der Kritischen Theorie abgrenzte. Mehr noch warf er dieser vor, die Wertfreiheit der Wissenschaft zu überstrapazieren. Ein Wissenschaftler solle im Dienste des Steuerzahlers keine Ideologiekritik betreiben. Das nimmt nicht weiter Wunder, folgt die objektive Hermeneutik doch allzu offen einer Angleichung an naturwissenschaftliche Methodik.

“Die objektive Hermeneutik ist nicht eine Methode des Verstehens im Sinne eines Nachvollzugs subjektiver Dispositionen oder der Übernahme von subjektiven Perspektiven des Untersuchungsgegenstandes, erst recht nicht eine Methode des Sich-Einfühlens, sondern eine strikt analytische, in sich objektive Methode der lückenlosen Erschließung und Rekonstruktion von objektiven Sinn- und Bedeutungsstrukturen.” (Oevermann)

Die Sequenzanalyse in der Gruppe mag unterhaltsam sein und durchaus Aufschlüsse bringen. Interessant auch die These, dass Rupturen in den Protokollen durch Krisen ausgelöst werden. Wie allerdings die Objektivität zum Fetisch gerinnt und in positivistische Ideologie umschlägt, wird in der Trennung von Erfahrungswissen und objektivem Wissen offenbar. Das geht erfahrungsgemäß schief, denn wo Verhaltensforschung und Gehirnforschung zitiert wird, ist man von Biologismus und Strukturalismus nie weit entfernt. So kommt es auch zu strapaziösen Verlautbarungen von Seiten Oevermanns wie jene, dass Burschenschaften einmal progressiv gewesen seien.  Zumindest Adorno hätte gewusst, dass eben jene Studenten, die 1817 auf dem Wartburgfest gegen die Kleinstaatlerei ein geeintes Deutschland proklamierten, gleichzeitig den “Code Napoleon” und die “Germanomanie” des Saul Aschers verbrannten – auch ein affirmativer Begriff von Progressivität würde sich der Anwendung auf diese Autodafés schämen.

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Bad Blog zensiert

Das von allen Seiten gehasste “Bad-Blog” wurde leider zensiert.

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Die Unfähigkeit der UN und der EU sorgt dafür, dass die Islamisten der IUC Geländegewinne verzeichnen können und nun auf Mogadischu vorrücken. Unterstützt werden sie von Eritrea und aus anderen Quellen. Die AU-Mission AMISOM ist offensichtlich gescheitert, von 8000 versprochenen Soldaten hat lediglich Uganda etwa 1600 Soldaten geschickt, die sich zudem eher Aufbauarbeit und Ausbildung als auf militärisches Engagement konzentrieren sollen. Burundi verzögerte erfolgreich die Entsendung von 2000 Soldaten, lediglich 192 sind davon bislang in Somalia.

Das übliche Paradoxon bei solchen Missionen lautet: Je heftiger die Kämpfe und je instabiler die Region  desto unwahrscheinlicher ein konsequentes Eingreifen der Hilfstruppen. Dazu kommt, dass die derzeit geplante AU-Mission in Darfur als Konkurrenz zu AMISOM betrachtet wird. Die finanzielle und logistische Unterstützung der EU lässt ohnehin auf sich warten und tröpfelt nur spärlich im ein- bis zweistelligen Millionenbereich – die Kosten einer mittleren Umgehungsstraße im badischen Hinterland oder der Wert eines Weinkellers einer deutschen Landesregierung.

Im Mai hatte die UNO noch eine Blauhelm-Mission in Aussicht gestellt, die aber wie für UN-Missionen üblich keinerlei Risiko eingehen will: «Wenn die Sicherheitsbedingungen und der politische Prozess stimmen, werden wir eine Friedensmission ins Auge fassen». Die UN-übliche Unterscheidung von Peace-Keeping und Peace-Making spricht schon Bände. Letztlich bleibt es wie im Falle des Iraks oder in Ruanda  unzuverlässigen und spontanen Bündnissen überlassen, die Situation zu ändern.

Die Junge Welt sympathisiert natürlich mit den Islamisten, die sie als “bewaffnete Opposition” ehrt und als Opfer von “Verteufelung” durch die USA sieht. Während äthiopische Truppen angeblich “ganze Stadtteile in Trümmer” schießen, zerstören UIC und Al-Shahaab lediglich Verwaltungsgebäude und Polizeistationen und befreien Gefängnisinsassen. Im nächsten Atemzug wird aber schon wieder bewundernd von der “funktionierenden Verwaltung” in Kismayo geschrieben – womit vermutlich die Scharia-Gerichte gemeint sind. Weil es laut Koran “keinen Zwang in der Religion” gibt, werden die Bewohner der besetzten Gebiete zum fünfmal täglichen Gebet verpflichtet, das Kauen der Droge Khat wird verboten, wer noch immer christlich ist, läuft Gefahr, ermordet zu werden. Für die Frauen ändert sich wenig, da die traditionellen Regeln ohnehin kaum zu überbieten sind – 95 Prozent der Frauen in Somalia wurden durch Genitalverstümmelung traumatisiert.

Bisherige Beiträge zum Thema:

Somalia hat Chancen

Islamisten fliehen aus Somalia

“The Mog” is free

Äthiopien befreit Somalia

Somalia-Zahl der AU-Soldaten immer noch weit unter 8000

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Wenigstens das Titelbild hat die “Titanic” noch drauf.

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Christian Horn, aka Hochdorff, ein langjähriger Kommentator von “Nichtidentisches”, entblößt im folgenden Beitrag die nazistisch getönte Doppelmoral eines Gamestar-Spiele-Testers.

Computerspiele brauchen Feindbilder, diese Feststellung ist banal. Dennoch kann eine Analyse dieser Feindbilder über den geistigen Zustand der Menschen aufklären, in deren Köpfen sie entstehen. Dabei wäre zu berücksichtigen, welche Feindbilder in welchen Köpfen entstehen. Auf diese Weise könnte man zu einer Kritik der bestehenden Verhältnisse gelangen.

Fabian Siegesmund, seines Zeichens Redakteur des Computerspiele-Magazins GameStar setzt sich in Ausgabe 10/2008 desselben Magazins mit Feindbildern in Computerspielen auseinander. Sein Artikel trägt jedoch nicht zur Kritik der bestehenden deutschen Verhältnisse bei, sondern folgt dem hierzulande herrschenden Relativismus.

Siegesmund vermittelt mit einem rankumpelnden Ton eine Stammtischatmosphäre, die sprachlich den Inhalt des Artikels vorweg nimmt. Seine Betrachtung beginnt mit der Darlegung der Tatsache, dass eine Feindkonstruktion in Abgrenzung zum je Eigenen stattfinde. Auch dieser Befund ist höchst banal. Siegesmund scheint seinem Publikum geistig nicht allzu viel zu zutrauen, so versucht er zu erklären, dass die Abgrenzung gegen „hirnfressende Zombies, kriegslüsterne Wehrmachts-Soldaten (sic!) oder bombenlegende Terroristen” als Ursache hätte, dass man seinen Heimatort möge, am liebsten lokale Spezereien verdrücke und sich zur Fußball-WM in die je eigene nationale Borniertheit zurückziehe. Diese Erläuterung muss insbesondere im Hinblick auf den Wehrmachtssoldaten sonderbar erscheinen, sorgen doch gerade deutsche Heimatliebe und der „fröhliche Patriotismus” dafür, dass die deutsche Geschichte auf verschiedene Art und Weise relativiert und entsorgt wird, demnach der Wehrmachtssoldat gar nicht als Feind wahrgenommen werden kann. (mehr…)

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Die kleine F. erzählt vom Halloween-Klingeln: “Dann hat die Frau gesagt, dass Halloween aus einem anderen Land kommt und dass sie das doof findet und dass sie uns nichts geben wird. Dann hat sie und aber doch noch eine Tafel Schokolade gegeben!”

Ähnliche O-Töne kann man Bischöfen, Herzbuben und Regionalfeullietons derzeit entlocken. Heulen und Zähneklappern, der Untergang des Abendlandes, eine “unnatürliche” Einrichtung inmitten braver deutscher Kultur (so ein Wildecker Herzbube), eine fiese Indoktrination, gesteuert von windigen Geschäftemachern… Und immer wieder “amerikanischer Schund”.

Dabei ist Halloween eigentlich wie Silvester – nur für Kinder und viel besser. Anstatt im Bettchen zu verpassen, wie Erwachsene zu nachtschlafender Zeit Schwefel, Schwarzpulver und Magnesium in die Luft ejakulieren, dürfen sich Kinder hier ganz eigenmächtig verkleiden und dem Tauschprinzip ein Schnippchen schlagen. Sie bekommen die Süßchens nicht für’s brav sein, sondern für das Nicht-Böse-Sein. Die narzisstische Umkehr der Erpresserrolle (“Süßes, sonst gibt’s Saures!”) bedingt die kurzweilige Identifikation mit jenen Monstern, die normalerweise unterm Bett lauern. Das ist, funktionalistisch betrachtet, eine klasse Sache für die infantile Psychologie und allemal besser als Fasching, wo man doch nur die eingeschliffenen guten Stereotypen vom Indianer bis zum Feuerwehrmann erprobt, den Eltern zum Wohlgefallen.

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