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Archive for Dezember 2009

Wird 2010 ein schwarzes Loch aus der Schweiz die Erde verschlingen?

Natürlich nicht. Ein schwarzes Loch kann nur Massen anziehen, die geringer sind als es selbst. Ansonsten heftet es sich selbst einer größeren Masse an. Die Energie, die hypothetisch Masse im Teilchenbeschleuniger auf das Niveau eines schwarzen Lochs verdichten könnte rührt von der Geschwindigkeit, mit der zwei winzige Massen aufeinandergeschossen werden. Ein echtes schwarzes Loch aber zieht geringere Massen an, weil es selbst aus ultradichter Materie besteht. Es ist kein mystischer intergalaktischer Vampirstaubsauger mit unsichtbarem Beutel, sondern nur ein ziemlich dichter Stern, der keine Photonen mehr reflektiereren kann, weil seine Anziehungskraft selbst die Energie der schnellen Lichtteilchen  neutralisiert- soweit erkläre ich es mir aus Schulbuchwissen über Astronomie und Energieerhaltungssätze.

Zur Vorsorge kann man das winzige schwarze Loch auch zu den anderen in eine Käseglocke sperren. Da seine Anziehungskraft zu gering ist, um die Stabilität der Kristallstruktur der Glasmoleküle aufzubrechen, wird es darin einfach verschimmeln.

Die verbreitete Katastrophenphantasie soll nur davon ablenken, dass das wirklich schlimmste schon lange Realität ist und niemals enden könnte.

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Johannes M. Becker, einschlägig bekannter Meinungsträger der kritischen Öffentlichkeit in Marburg an der Lahn, gehört zu denjenigen, die im Vorfeld und während des Krieges mit Saddam Hussein und den Nachfolgerackets am lautesten die Anklage vor sich hertrugen, der Krieg gegen Hussein und Taliban werde nur um Öl und andere Rohstoffe geführt.

Auf Veranstaltungen der Friedens- und Konfliktforschung wurden dann mehr der Verlauf von Ölpipelines und die Lage von Rohstoffvorkommen problematisiert als eine Analyse der islamistischen Ideologie oder der widersprüchlichen, hochkomplexen Struktur der mafiös-terroristischen Rackets im Irak geleistet. Klar war den Konfliktforschern stets: Dieser Krieg ist unmoralisch, weil der Irak zu einem der ölreichsten Staaten der Welt gehört. Ein reiches Land bekriegt man nicht ohne sich bereichern zu wollen – das wäre irrational.

Nun schwenkt Becker um und entdeckt erstaunt ein Phänomen, auf das die Angriffsbefürworter schon lange hingewiesen haben: Dass nicht der Krieg gegen den Terror sich ökonomisch auszahlt, sondern jene Neutralität, die es nicht gibt. Der Kritiker an Kapitalismus und der “Gier nach Öl” ist nun auf einmal keiner mehr:

Nur zaghaft lösen sich SPD und Grüne aus der großen Kriegskoalition. Dabei gibt es durchaus Anreize für einen Politikwechsel: Im Irak schließt momentan China die größten Öl-Ausbeutungsverträge mit der erstaunlich souverän agierenden Regierung in Bagdad ab. Die Konzerne aus den Staaten der “Koalition der Willigen” hingegen gehen zumeist leer aus. In Afghanistan erwartet sie die Abbaurechte für Kupfer und Eisenerz. Bekanntlich hatte sich Peking beiden Kriegen verweigert.

Becker ignoriert, dass nicht nur China, sondern viel früher noch die “Friedensmacht” Deutschland eine hervorragende Ernte aus dem Krieg gegen Saddam Hussein eingefahren hat – die Weigerung, zusammen mit dem “großen Satan” zu kämpfen hat die traditionsreiche Verehrung der arabischen Staaten für gewisse Deutsche nur noch gesteigert und deutschen Firmen ausgezeichnete Verträge beschert.

Becker ignoriert auch, dass in einigen Regionen im Irak auf Ölfelder gar nicht geboten wird – weil es den Ölfirmen noch zu riskant ist und weil die irakische Regierung selbst für chinesische Konzerne unattraktive Angebote macht. Das größte Ölfeld wird von British Petroleum und der China National Petroleum Organisation  im Konsortium geführt. Nicht etwa, weil China sich aus dem Irakkrieg herausgehalten hat, sondern weil die CNPO zusammen mit BP das beste und einzige Gebot für dieses Feld abgegeben hat. Konzerne, die noch keine Verträge im Irak haben, sind zumeist schlichtweg nicht interessiert. Mit den Erträgen, die die irakische Regierung abzuschöpfen hofft, wird ohnehin nicht viel mehr gefördert werden, als die in staatlichen Profitsystemen so übliche Korruption.

Becker interessiert zuletzt überhaupt nicht, dass eben jenes China, das er der deutschen Opposition aus noch dazu verfälschten Gründen als Vorbild empfiehlt, die Massenmörder im Sudan mit Waffen versorgt: Aus Gründen derselben Rohstoffethik, die Becker so attraktiv findet. Krieg oder Nichtkrieg – alles eine Frage des hinterher zu erwartenden Profits. Darin wird die Projektivität der Ideologie deutlich, die um den Irakkrieg bei weitem nicht nur von Becker gesponnen wurde. Die den USA unterstellten Zwecke der Kriegsführung waren schon immer die eigenen. Zum Glück setzen die USA ihre ökonomische und militärische Macht nicht annähernd so zweckrational ein, wie es Becker den Grünen und der SPD empfiehlt.

Quelle der nachfolgenden Grafik:

Joachim Guilliard, “Irakisches Öl – weiterhin nur begrenzter Zugang für Öl-Multis” auf “Nachgetragen”:

Überblick über die 2009 vergebenen Verträge Serviceverträge für irakische Ölfelder

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Man kann von JournalistInnen kaum erwarten, dass sie über ethnologisches Fachwissen verfügen. Dass sie ihre Quellen prüfen allerdings schon. “Fett-Mafia in Peru: Menschen getötet, Fett an Kosmetikindustrie verkauft!” Der Bericht von BILD gewohnt faktisch, man glaubt den Aussagen eines Polizeioffiziers.”Grausige Mörder in Peru: Fett von Leichen verkauft!” titelt es vom Vorarlberg, hier ist man allerdings schon professioneller und stellt die Geschichte in Zweifel. “Handel mit Menschenfett in Peru: Dutzende Menschen verschwunden!” Die taz bringt die Schuld der Europäer ins Spiel, weil in ihrer narzisstischen Ideologie keine noch so perfide Verschwörung der Welt ohne die hervorragende Genialität und Letzschuld der Europäer bestehen kann.

Heute wurde bekannt, dass es sich bei dem Bericht um eine Ente handelt, die der dortige Polizeikommissar verbreitete, weil er damit Ermittlungsprobleme übertünchen wollte. EthnologInnen und SüdamerikanistInnen ist diese spezielle modernisierte Ritualmordlegende lange bekannt. Michael Taussig etwa erwähnt sie in seinem Buch über den Tiu-Kult der Bergarbeiter in Bolivien. Im Volksmund sind es Hexen oder andere spirituelle Übeltäter, die Blut oder Fett der Opfer aussaugen. Die erfahrenen Schrecken der Versklavung durch ganz reale Oligarchen rationalisierte den sehr speziellen Spiritualismus der Anden heraus und hinterließ einen international durchschlagskräftigen Mythos. Prinzipiell wäre eine solche Perfidie der mafiös orchestrierten Nachfragedeckung möglich und in Punkto Grausamkeit auch gar nichts besonderes in der Geschichte Südamerikas. Dass von hunderten von Varianten dieses Mythos gerade die eine ihren Weg in die internationale Presse fand und diese blamierte, ist wohl vermittelt durch die Autorität eines Polizisten und die tatsächliche Mordserie. Ungeklärt bleibt, wieso man afrikanischen urban legends nicht nachgeht, nach denen Kriminelle ihren Opfern das Blut aussaugen und dann an die Weißen verkaufen. Vielleicht weil sich diese Mythen dann doch wieder zu sehr mit der Realität vermischen, in denen Schwarzmärkte für menschliche Körperteile florieren, weil man sich von diesen magische Profitmaximierung verspricht. In Lagos oder Südafrika werden regelmäßig verstümmelte Leichen gefunden, denen man Genitalien, Blut oder Körperteile entfernte. Für Südafrika beläuft sich die Schätzung auf über hundert Ritualmorde pro Jahr. Diese Realität ist vermittelt mit dem sehr tiefen Glauben der Menschen an die magischen Kräfte solcher Rituale – Vorstellungswelten übersetzen sich in Taten, die jene Vorstellungswelten reproduzieren. Den Verzweifelten und den von Gier und Angst um ihren Erfolg Geplagten bietet sich das Menschenopfer als einziger Weg ins Glück an, wo man Reichen grundsätzlich jenes Verbrechen unterstellt. Reichtum ohne Menschenopfer ist kaum mehr vorstellbar und das evangelikale Christentum tut sein Bestes, diese Vorstellung von Wohlstand durch das universale (und damit ungleich sparsamere) Opfer eines Gottessohns zu stärken. Solche Magie entspricht im wesentlichen auch derjenigen, die meint, man könne Wohlstand produzieren, indem man Flüchtlinge im Mittelmeer ertränkt.

Nachtrag: Die taz gibt sich in der Richtigstellung souverän als habe sie das Märchen von Anfang an nicht geglaubt –  und als hätte es  in der taz keine reißerische Schlagzeile zum Thema gegeben.

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