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Archive for April 2010

Von Petra Neumayer und Roswitha Stark, publiziert bei Mankau Verlag, 2010. 166 Seiten, 12,95 Euro.

„Die Beispiele in diesem Buch sollen ihnen aufzeigen: Alles ist möglich!“ (Neumayer/Stark S. 32)

Wo Romantizismen akkumuliert werden kann eine kritische Zeitgenossin getrost den blankesten, gefährlichsten Unfug vermuten. Die „Neue Homöopathie für Tiere“ ist das vorerst reinste Exemplar verdichteter Kitschgewalt, das mir je begegnete. Hund, Katzenjunges, Pferd und Papageien äugeln treu vom Titelbild. Eine Vignette verspricht: Geliebte Tiere ganzheitlich heilen – ungeliebte Tierchen sanft umsiedeln.

Ganzheitlich, das Wort war immer schon die schärfste Lüge. Aus der Ambivalenz der modernen Medizin speist sich der verständliche Wunsch nach einem anderen – die kränkenden Aspekte aber sind es,  die sogenannte „alternative Therapien“ auf den Plan rufen. Der Tod, die Fehler, die Entmündigung – all das versprechen sie aufzuheben. Spontanheilung reiht sich an Spontanheilung. Die Methoden sind Derivate von Größenphantasien, die alles versprechen wo man bisher nichts konnte. „Neue Homöopathie für Tiere“ will letztlich die gesamte Homöopathie von einem belastendem Vorwurf befreien, sie sei „nur“ ein Placebo. Tiere, so Neumayer/Stark, würden nicht an ein Heilsystem glauben können und würden dennoch geheilt werden – der Beweis, dass da etwas physikalisch-energetisches stattfinde, von dem die desinformierte Naturwissenschaft schlichtweg noch nichts gehört habe, das aber deren Produkt sei, denn man beruft sich stets auf einen Professor der Physiologie oder der Elektrotechnik, um die krude Phantasie zu verkaufen.

Dabei ist die vorgestellte Methode im strengen Sinne keine Homöopathie, sondern ein Versatzstück der postmodernen Informationsesoterik die dieser schon innewohnt. Hier wird nicht hochpotenziert, sondern gleich mit Segen und Flüchen, geschriebenen Symbolen auf Papier, gezaubert.

Zunächst wird der Tierhalterin alle Macht in die Hand gegeben. Mithilfe eines Pendels oder einer Wünschelrute wird sie ausgiebig angehalten, Befindlichkeiten des Tieres „bis in den feinststofflichen Bereich“ auszuloten. Dabei werden Fragen nach „Ja“ und „Nein“ beantwortet. Eine so komplizierte Diagnose wie „Feline Fibroadenomatose“ schließt sich selbstverständlich aus, so etwas haben Tiere nicht. Bei ihnen ist in aller Regel etwas „nicht in Ordnung“ (ja/nein) mit dem „Futter“, „Medikamenten“, „Impfungen“, „Elektrosmogbelastung“. Allein in dieser Aufzählung auf Seite 33 kommt das ganz und gar nicht unterschwellige Ressentiment gegen die Universitätsmedizin zum Zuge. Es geht der „alternativen Medizin“ nicht so sehr um ihre eigene Methode – sie ist vielmehr eine Travestie, auffahrender Spott gegen die Beleidigung, man müsse zunächst einmal etwas kompliziertes erlernen, Leichen sezieren, Bakterien auszählen und notfalls vergiften, um zu heilen. Ein Mensch soll mystisch die Heilkunst erschauen können, ohne jede Anstrengung. Lehrgänge, ja die gibt es, aber sie sollen noch für jeden zu bewältigen sein. Alles andere wäre eine Zumutung, eine tödliche Kränkung. So kommt es, dass Impfungen im Buch als „Völkermord im dritten Jahrtausend“ bezeichnet werden (S. 62). Die allmächtigen Eltern werden ihre Kinder schon vor so kläglichen Gestalten wie Tetanuserregern schützen können – mit einem Pendel, Zettel und Stift, allerdings nur im Notfall, denn meistens reicht es ja schon, wenn das Bett von einer Wasserader gerückt oder eine Fernheilerin konsultiert wird. Alles eine Frage der „Energieinformationen“, der mediale Fluxkompensator der Esoterik. Wurmkuren werden durch ihn sowohl gänzlich ersetzt als auch ihre „schädlichen Schwingungen“ „ausgeleitet“ (S. 66). Schädlinge wie Blattläuse oder Reiher am Gartenteich kann man durch aufgemalte und wieder aufgelöste Symbole vertreiben. (127ff) Und ganz besonders gut lässt sich das Pendeln an Zeckenbissen an:

Fallbeispiel: Zecke erinnert an verstorbenen Bruder.

Ich spürte einen Stich in meinem Bauch. Als ich nachschaute, bemerkte ich: Eine Zecke lief hier herum, sie hatte sich noch nicht festgesaugt. Am Tag darauf zeigte sich ein roter Ring, was ein Anzeichen für Borreliose sein kann. Ich versuchte, nicht in Angst zu geraten, und fragte: „Hast du mir etwas zu sagen?“ – Ja! Ich sollte das Wort „Zecke“ und ein Ursachenthema auf einen roten Zettel schreiben. Über den Psychomeridian fand ich heraus, dass das Thema einige Jahre vor meiner Geburt entstanden war: Zwei meiner Brüder waren gestorben, ich hatte sie nie kennen gelernt. Das trieb mir die Tränen in die Augen und ich ging mental mit meinen Brüdern in Kontakt und würdigte sie, so wie ich es noch nie getan hatte, ich hatte sie einfach vergessen. Auf dem Zettel für die Wasserübertragung stand „Zecke“ und darunter „Brüder“ mit „2-Strich-Sinus“. Schon nach der ersten Wassereinnahme verschwand der rote Ring für immer. (Roswitha Stark in Neumayer/Stark, S. 131)

Man muss sich ob der geballten Kraft der Psychomeridiane nur „bewusst […] machen, was los ist“ (S. 67). Eine psychosomatische Gesprächstherapie wird auf geniale Weise ebenso überflüssig wie jede medikamentöse Behandlung, denn: „Denken sie daran: Ihr Bewusstsein ist der Chef und genau dasjenige kommt in Gang, das sie sich vorstellen.“

Die Therapie ist ob eines solchen Versprechens Makulatur, solches infantile Glück macht noch den letzten Schwachsinn glaubhaft: Man könne Symbole aus der Elektrotechnik auf sogenannte Körpermeridiane malen, Dreiecke auf Papier zeichnen und kurz auf den Futternapf oder sonstige Problemzonen legen, notfalls reiche es auch aus, Akkupunkturpunkte zu „beklopfen“ (S. 86). Alles geht und nichts schadet – mit einer vorgegaukelten 100%-igen Erfolgschance, denn den Rat, im schlimmsten Fall doch zu VeterinärInnen zu gehen sucht man ebenso vergeblich wie man bei herkömmlichen HeilpraktikerInnen eine Empfehlung zum Impfschutz bekommt.

In ihrer Ritualmagie knüpft die „Neue Homöopathie für Tiere“ direkt an magische Praktiken an, wie sie sich im Verzehren von Koranversen auf Papier in Westafrika oder dem Besprechen von Nahrungsmitteln im Tischgebet in aller Welt finden. Sie ist in ihrem gesamten Eklektizismus, in ihrer kruden Wendung von naturwissenschaftlichem Jargon zum mystizistischen Spuk, ihrer Feindschaft gegen die Universitätsmedizin und ihrem offenen Größenwahn ein Wiedergänger der Romantik. Als schlechter Witz kann sie kaum abgetan werden. „Fernreiki für Bartagamen“ mag amüsant klingen, wird aber zum Leidwesen von Tieren und Menschen ebenso entschlossen praktiziert, wie die „Neue Homöopathie für Tiere“ Anklang finden wird. Der negative Befund lautet daher: Das Buch wird sich zu einem Standardwerk für die ganzheitliche Behandlung von Tieren entwickeln.

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Petro Markaris erklärt in der taz vom 3./4./5. April die Finanzkrise Griechenlands. Dabei fühlt er sich berufen, eine griechische Reaktion auf deutsche Ressentiments folgendermaßen zu vergleichen:

“Es ist auch naiv, die Empörung der Griechen über solche Aussagen damit abzutun, dass man diese Empörung auf Traumata aus der deutschen Besatzungszeit zurückführt. Das ist ungefährt wie das Argument der Israelis, jeder, der die israelische Politik kritisiere, sei ein Antisemit.”

Egal, was diese vorherigen “Aussagen” benannten: Hier wird ein klassischer Fall von Kopfkino und vorauseilender Verleugnung nach Freud durchgeführt. Unterstellt wird, dass jeder Israeli Kritik an “israelischer Politik” als Antisemitismus abtue. Anscheinend war der Autor noch nie in Israel oder hat sich mit dem Judentum befasst, sonst würde er das dort bekannte Sprichwort kennen: “Zwei Juden, drei Meinungen.”

Bei ihm lässt sich das umkehren dahingehend, dass sein Antisemitismus die monolithische Imago “Israelis” als dogmatische Instanz identifiziert und dieser Instanz ein Urteil über die eigene Meinung zuordnet, das der Verlautbarung vorausfolgt. Somit trifft er auch gar keine Fehlaussage über die Richtigkeit dieses Urteils, sondern verrät ein unbewusstes Wissen um seinen eigenen Antisemitismus, der in der Verleugnung dem Geständniszwang folgt. Noch bevor er also seine Kritik an Israel in einem Artikel über die griechische Ökonomie einzuflechten vermag, zwingt ihn sein schlechtes Gewissen zum Geständnis: Das was er gesagt hätte, wäre Antisemitismus gewesen. Die von Forumsnutzern so häufig ähnlich gelesene Einleitung, die auf die Beschwerde hinausläuft, dass man seinen Antisemitismus nicht mehr sagen dürfe, sonst werde man gleich als Antisemit beschimpft, offenbart die tiefe Kränkung, die die Kritik des Antisemitismus erreicht hat.

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Dass die Wertschöpfung auf zwei Achsen ruht, wusste Marx sehr gut. Nicht nur die Arbeitskraft des Menschen, auch die drastische Vernutzung von natürlichen Rohstoffen wird im “Kapital” benannt. Manche vermeintliche Ökorevolution, die sich als Langzeitsicherung des Verwertungsprozesses anbiederte, entpuppte sich im Nachhinein als Verschlechterung. Palmöl beispielsweise wurde unter anderem von den Grünen als nachwachsender Rohstoff auf die Agenda gesetzt und massiv subventioniert – mit dem Ergebnis der Verwüstung indonesischer Wälder für Palmölplantagen. Den zurückbleibenden Orang Utans bleibt nicht anderes als die Palmensprosse abzuknabbern – wofür sie von den Plantagenarbeitern gefangen, getötet und verkauft werden.

Nun soll eine Wiederentdeckung – Terra Preta genannt – die Welt retten. Terra Preta soll gigantische Erträge ohne Dünger liefern und nachwachsen. Terra Preta ist im Prinzip ein oridinärer Humus, der mit Holzkohle angereichert wird. Dass prähistorische Siedlungen solche Böden produzierten ist eigentlich eine recht simple Schlußfolgerung, deren empirischer Nachweis kaum anstrengend gewesen sein dürfte. Man jubelte über solche Böden am Amazonas, unterschlug aber, dass der Brandrodungswanderfeldbau im Prinzip nichts anderes bedeutet, als Holzkohle in den Boden einzubringen. Hinzu kommen Flussniederungen, an denen auch im Amazonas reichlich Humus angeschwemmt wird, der mit der überaus verbreiteten Technik der Fäkalienzugabe längerfristig haltbar gemacht wurde. Dass sich hier noch Knöllchenbakterien ansiedeln, die Stickstoff aus der Luft binden und Pilzmyzele kräftig arbeiten ermöglicht wie überall das Anwachsen einer Humusschicht, sofern Erosion unterbunden wird. Aus dem gleichen Grund wird Leguminosenanbau und Gründüngung noch in der konservativsten Bauernzeitschrift propagiert. Eine “geniale” Entdeckung ist das Ganze nicht – lediglich die Zugabe von Holzkohle und die in weiten Teilen bereits vorher erfolgte Erforschung ihrer Funktion als Puffer und Speicher für Nährsalze ist bedingt innovativ.

Die Avantgarde solcher Entdeckungen sind stets KleingärtnerInnen. Die vergruben schon immer Hochmoortorf im Garten, um ihr grünes Paradies mit Azaleen und – man ist im Geiste immer der Krise verpflichteter Selbstversorger –  Blaubeeren zu bestaunen. Im nahegelegenen abgetorften Moor starben dafür Sonnentau, Wollgras und arktische Moosjungfer aus. Nun kommt Terra Preta in Mode und man fragt sich als Skeptiker: Woher wird diese Holzkohle kommen?  98% der in Deutschland verbrauchten Holzkohle wird importiert – aus Argentinien, Paraguay, Polen und tropischen Ländern. Natürlich wird das begeisterte avantgardistische KleingärtnerInnentum nicht aus dem verbuschenden Trockenrasen von nebenan kratzige Schlehen schlagen und im Garten verkohlen. Die Gartenbank ist aus Tropenholz, Regale und Fensterrahmen ohnehin. Wieso nicht auch die Gartenerde? Ein neues Auto zu kaufen und Holzkohle im Garten zu vergraben ist attraktiver als einen Wald zu pflanzen, den man niemals zu Gesicht bekommt. Die Entwaldung ganzer Landstriche hat allerdings einen stärkeren Einfluss auf lokale Wasserhaushalte als jeder Klimawandel.

Im Tschad ist die Verwendung von Holzkohle bereits offiziell verboten. In Ghana ist Holzkohle wie in den meisten afrikanischen Ländern der dominierende Energieträger. Ein mannshoher Sack davon kostet 4 Euro und reicht einer kleinen Familie etwa einen Monat, vielleicht zwei. Weite Teile Nordghanas sind durch – weitgehend ineffiziente – Verkohlung und Jagdfeuer zu Buschland degeneriert, das tropische Grün im Süden besteht bei näherem Hinsehen aus nur etwas üppigerem Buschland und Sekundärwald – der in der nebenstehenden Grafik leider etwas undifferenziert ebenso gelb gezeichnet wird wie die Monokulturen, Plantagen, Äcker und Steppen. Holzeinschlag in die verbleibenden geschützten Wälder findet hier unter schwerer Bewaffnung statt, Sklaverei und extreme Ausbeutung sind in solchen kriminellen Unternehmungen  wie bei der Fischpiraterie die Regel. Die Elfenbeinküste verfügt nur noch über 2% Primärwald, 99% der Schimpansenpopulation sind verschwunden. Und durch das Zusammenspiel von Marktwirtschaft und korrupten Eliten wird die entwaldete Fläche nicht etwa in Terrassen oder irgend fruchtbaren Ackerboden umgewandelt. Die Vernutzung von entwaldetem Land schreitet sehr viel schneller voran als im gemäßigten Klima. Das sind Probleme, die weitaus konkretere, berechenbarere Ursachen und Folgen haben als ein moderner Dämon wie Klimaschwankungen.

Israel  ist übrigens Vorreiter in der Trockenwald-Forstwirtschaft – am Rande der Negevwüste breitet sich neuerdings der trockenste Wald der Welt aus.

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Auf Ghanaweb.com wurden die Siedlungen für Hexenjagdflüchtlinge zur Diskussion gestellt. Unter den Kommentaren findet sich dann in diesem dankenswerterweise unzensierten Medium der obige Kommentar. Das ist die offenste Übernahme von antisemitischem Repertoire in Hexereivorstellungen, die mir bislang begegnet ist. Da mittlerweile die Siedlungen bekannt gemacht wurden, um auf die Probleme der Frauen aufmerksam zu machen, stellen solche Randgruppen eine nicht zu vernachlässigende Bedrohung für die knapp 4000 Hexenjagdflüchtlinge dar, die sich in Nordghana in den sieben von mir besuchten Schutzhaftsiedlungen mit Mühe und Not über Wasser halten.

Ghanaweb.com published an article about the settlements for witch-hunt victims. The comment above was postet and can be read thanks to the uncensored board. It is the most open adaption of anti-Semite aggression to witchcraft notions that I ever met. Due to the publication of the settlements locations for public knowledge about the issue these aggressive minorities could pose a threat for the 4000 victims of witch-hunts who already bear utmost hardship in the seven settlements for witch-hunt victims in northern Ghana.

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Briefing

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Drei Soldaten aus Deutschland sind im Zuge des antifaschistischen Militäreinsatzes der NATO in Afghanistan bei einer Attacke der Taliban getötet worden. “Hinterhältig” (Merkel) und “feige” (Steinmeier) wurde der Angriff auf die Truppen genannt. Diese Rethorik zeugt davon, dass vom Wesen des Krieges gegen den Terrorismus ebenso wenig begriffen wurde wie von der Struktur des Guerillakrieges im Allgemeinen. Wer Luftschläge anordnet und mit ferngesteuerten Drohnen ausgespähte Treffen von Talibanführern bombardiert, sollte nicht ernsthaft auf rührige Begriffe wie den der Feigheit seine Kritik bauen. Die Rede von der Feigheit versucht, eine Praxis des Mutes oder Heldentums zu etablieren, in der ein einzelner Mensch sich seinen Ängsten verweigert und letztlich im Zuge eines narzisstisch aufgebauten Ideals von Mut oder Heroismus sein Leben riskiert oder opfert. Feigheit und Vernunft, Kühnheit und Tollkühnheit sind Begriffspaare, die sich in der klassischen Literatur verschwisterten. Der Guerillakrieg verabschiedete sich gänzlich von Schlachthierarchien und -ordnungen – er setzte anstelle der herkömmlichen Kriegsgesetze moralische, politische Gesetze, deren Durchsetzung jedes militärische Mittel erlaube.  Hit and run war letztlich die einzige Möglichkeit, gegen eine etablierte Armee Erfolge zu erzielen. Diese Kriegsform ist hochgradig ökonomisiert: Der einzelne Krieger soll ein Maximum an militärischem Erfolg erzielen können. Gerade um das zu erreichen, wird er nicht wie in der modernen Armee als ersetzbares Material – als Soldat – verschwendet, sondern aufgewertet zum Krieger. Die Modernisierung des Guerillakrieges erfolgte stets unter dem Vorzeichen einer Retraditionalisierung des Krieges. Der Guerillakrieg ist eine synthetische Form aus modernsten Instrumenten und archaischsten Institutionen wie dem individuellen Kriegertum. Letztlich haben alle Armeen dieses Prinzip teilweise inkorporiert und in Elitetruppen und Luftwaffe professionalisiert.

Von Feigheit zu reden, heißt, die wirklich verabscheuenswürdigen Momente der Ideologie der Taliban zu verschweigen. Krieg und die darin zur Anwendung kommenden Strategien werden wie bei den Pazifisten als absolute Kategorie betrachtet. Krieg wird als Form abgelehnt und der Inhalt des spezifischen Verhältnisses nicht mehr analysiert.  Man kann es als feige betrachten, wenn eine Drohne aus dem Hinterhalt eine Riege von Talibanführern tötet. Dass so der Krieg verkürzt wird und Menschenleben geschont werden ist ein Grund, dennoch diesen Angriff zu befürworten und eine solche Taktik weiter zu professionalisieren – und sich letztlich zur Feigheit als möglicher Form der Vernunft zu bekennen. Und auf der anderen Seite: Wären die NATO-Soldaten tatsächlich mit der Absicht nach Afghanistan gekommen, alle Muslime zu töten, wie das die Propaganda der Islamisten bisweilen behauptet, so wäre es überaus legitim und antifaschistisch von den Taliban, einen Angriff wie den jüngsten durchzuführen. Die Parteispitzen Deutschlands haben in ihrer jüngsten Verurteilung der Mittel der Kriegsführung einen Fauxpas begangen – sie verurteilten eine konkrete Kriegstaktik, die NATO-Truppen im Prinzip selbst anwenden. Sie haben es dadurch versäumt, auf die wahnhafte Ideologie zu verweisen, die Leben nur als Krieg gegen Ungläubige und Frauen denken kann. Letztlich knüpfen sie an eine ungute deutsche ideologische Tradition an, dass der seinem Wesen nach unbesiegbare deutsche Soldat nämlich nur durch Verrat oder Hinterhalt besiegt werden könne. “Feigheit” zu unterstellen bedeutet letztlich zuzugeben, dass man die Soldaten dort auf einen “fairen” Kampf, eine Art Fußballturnier mit Schiedrichtern und nicht auf einen Guerillakrieg mit entsprechenden Methoden und zu erwartenden Todesfällen vorbereitet hat. Dieser eklatante Mangel an Ernsthaftigkeit gefährdet das Leben von jungen Menschen, die viel lieber Karten spielen und Bier trinken würden, als in Afghanistan trotz aller mitgeschleppten Bewaffnung Todesangst durchzustehen.

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Vielleicht kann ich mir ja dann mal diese komische Diskrepanz aus diesem jüngsten Peak von 1100 Besuchern an einem Tag, den darauffolgenden Abfall unter ein Normalniveau von 80 pro Tag und die totale Sprachlosigkeit der allermeisten Besucher irgend analytisch erschließen und Konsequenzen ziehen.  Nicht, dass ich nicht vor allem für mich selbst schreiben würde. Aber dieses Prediger-in-der-Wüste-Charisma ist mir etwas unheimlich.

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