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Archive for Januar 2012

“Spirit of Entebbe” hat mit “Die Juden sind ihr Unglück” eine staatlich geförderte Medienfälschung durchgearbeitet:

“[...] (Nahost-)Geschichte wird heute nicht mehr von den Siegern geschrieben, sondern von den Verlierern, und deutsche Filmemacher reichen da, jedenfalls wenn es gegen die Juden geht, gern die helfende Hand. Gefördert von der Filmstiftung NRW. “

 

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“[...] einzig der wissenschaftliche Takt vermag darüber zu wachen, daß das unabdingbare subjektive Element, an dem Spontaneität und Produktivität von Wissenschaft haftet, nicht ins Wahnhafte wuchere.” (Adorno, “Schuld und Abwehr”, 139)

Im Gegensatz zur “Zeitschrift für Sozialforschung” hat die Bahamas auf markiges Auftreten sich verpflicht. Das war mitunter berechtigte und lesenswerte Reaktion auf die verhärteten Verhältnisse – von der Ohnmacht gegen diese lässt man sich leider doch zu oft dumm machen.  Die errichtete Sparte verlangt Opfer und sei es der Reflexion. Zur Theorie pflegt man ein mitunter dann doch recht instrumentelles Verhältnis, der Effekt ursurpiert Konsistenz. Sören Pünjer baut diesem ganz postmodernen Eklektizismus ein Denkmal, weil er wegen Wulffens Häuschen gegen die Piratenpartei mit Assad gegen die Islamisten weil für die Alaviten segelt:

“Sich – wie Ende 2011 geschehen – über die Finanzierung des billigen und enorm hässlichen Hauses des deutschen Bundespräsidenten das Maul zu zerreißen, schafft der mündige Chatter genauso locker allein wie einen von djihadistischen Terrorbanden angezettelten aktuellen Bürgerkrieg gegen Alaviten, Christen und Laizisten in Syrien in ein neues Kapitel des arabischen Freiheitskampfes umzulügen: Die Beweise für die jüngsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit, also Quellen vom Hörensagen aus den Foren von Islamisten, oder Zeugenaussagen von Opfern, die gestern noch als irreguläre Soldaten reguläre angeschossen haben, findet man genauso gut in den berüchtigten Qualitätszeitungen wie im Netz.” (Bahamas 63, S. 14)

Die gleiche Strategie der Verharmlosung ist für das postnazistische Deutschland in “Schuld und Abwehr” dokumentiert: Die Faktizität der Ereignisse wird lächerlich gemacht und als “Hörensagen” abgewehrt, wenn nicht gleich die Erstschuld der Verfolgten (hier: “angezettelt”) behauptet wird. (S. Adorno, s.o., 165) Das Einverständnis mit dem Mord hat sich schon hergestellt, wenn nur die Identität der Opfer vom Hörensagen erwiesen wird als menschenfeindliche, hier djihadistische. Gegen diese Tendenz ist noch jeder Islamist zu verteidigen. Auch er soll für den Sturz eines Folterfürsten demonstrieren dürfen, ohne von einer Panzergranate zerfetzt zu werden und ohne von einem Schrapnell den Unterkiefer herausgerissen zu bekommen. Dass es Assad ist, den Pünjer hier in der Bahamas in Schutz nimmt, zeugt von der Gravidität der Verdrängungsleistung. Assad, jener antisemitische Baath-Klon Saddam Husseins, Helfershelfer der iranischen Henker, dem Israel noch vor ein paar Jahren einen Atomreaktor im Bau unter den Händen zerbombt hat, der die Raketenlieferungen an die Hisbollah organisierte, der im Libanon nun wirklich nicht der christlichen oder laizistischen Minderheit beisteht, sondern mitverantwortlich für die Morde an halbwegs demokratischem Personal war, Assad, dem nach den importierten Pasdaran nun die Hisbollah zur Hilfe eilt, jener Assad soll auf einmal ganz hilflos von djihadistischen Elementen konfrontiert sein und Benevolentien für Laizisten bereit halten. Mit den groben Sprüchen Pünjers maskiert sich unreflektierte Angst und Hilflosigkeit. Das ganze Schützenfest von Tiraden gegen die Piratenpartei, die grobschlächtigen Versuche, ihr Entstehen theoretisch einzufangen, ist nur Abwehr gegen eine tiefe Verunsicherung, in der man sich selbst die ärgsten Feinde Israels noch zu Garanten seiner Existenz umlügt.

Was zuerst zu kritisieren bleibt an den unausweichlichen Revolten in den arabischen Staaten: Dass man sich in Europa schon allseits darauf einstellt, nun mit “demokratisch gewählten” Mehrheiten der Islamisten reden und verhandeln zu müssen. Als hätte man nicht vorher um die relative Schwäche der laizistischen und demokratischen Elemente gewusst, fällt man diesen nun vollends in den Rücken, indem man sie für nicht existent, weil abgewählt, bestimmt. Dieser Zirkelschluss ist das deutlichste Indiz dafür, welch geringen Rückhalt demokratische, laizistische Gesinnung in Europa selbst hat. Feiern Faschisten Erfolge wie in Ungarn, Österreich und Italien, wüten in Bulgarien und Rumänien Pogrome gegen Roma und andere Minderheiten, schiebt man Roma aus Frankreich und Deutschland ab, hat man also in Europa längst gelernt, nazistischen Terror durch die Umwandlung seiner Forderungen in allgemein gültiges Recht zu bändigen, ist es nur konsequent, dass die europäischen Regierungen den Islamisten den Hof machen, wenn sie doch nun mal gewählt sind. Die freiheitliche Gesinnung liegt ihnen ganz und gar fern. Kein gesellschaftliches Rätsel darf sich mehr stellen, das der Identifikation in drei Sätzen widersteht.

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“Don’t be a maybe – just be”. Nicht das erste Mal versucht Marlboro die urbanisierte Abkehr von ihren Caspar-David-Friedrich-Cowboys, die seit den dauerrauchenden Schafhirten aus “Brokeback Mountain” auf ewig mit der Homosexualität assoziiert sind. Die “Just be” oder “Maybe”-Kampagne knüpft direkt an jene “Be unstoppable”-Kampagne an, die unten bereits voranalysiert wurde. Übernommen wird der Verweis auf das, was sein soll: Die Hinwendung zum Rauchen, die Abkehr von der Idee des Nichtrauchens, die bekanntermaßen zum magisierten Jahreswechsel Hochkonjunktur hat. Kein “Maybe” – “vielleicht [sollte ich mal aufhören]” sondern “just be”, ohne Rest und Nichtidentisches soll der Kunde sein. Kein “Maybe” bedeutet auch: Zweifel sind für Homosexuelle. Kein May, das heißt kein Mai, kein Frühling, keine Jugend, keine Erlaubnis, kein Mayday, keine Rettung. Die Formel schwört den Raucher auf seine Identität ein, macht ihn seinem Objekt gleich, will ihn zur Mimesis an ihn beherrschende Natur zwingen, ihn noch ganz mit dem hungernden Feuer der Synapsen nach dem Nervengift eins machen. “Just be”. Kein Anderes wird akzeptiert. Die Einsamkeit dieser masochistischen, narzisstischen Projektion spricht die Vereinzelten an, die in der Kippe die pubertäre, hilflose Distanzierung von der zudringlichen Masse zelebrieren. Gereifte Solidarität, Abwägen, Vernunft, Differenz werden durchgestrichen. Der schnarrende, einsilbige Befehlston des Plakats ahmt schon den Faschismus vor, den verordneten Daseinszweck, dem zu gehorchen noch als lustvoll verkauft wird. “Sit or stand!”, “Up or down!”, keine Zwischentöne sind erlaubt zwischen Männlichkeit (“Stand”, “Up”) und zu unterwerfender Homosexualität und Weiblichkeit (“down”, “sit”). So reagiert der autoritäre Charakter, Herr Herrenmensch. Eine Belohnung, ein Äquivalent für Geld und Lebenszeit wie es in den “West”-Werbungen der letzten Dekade in sterilen Karikaturen von Frauen präsentiert wurde, muss gar nicht mehr vorgegaukelt werden – das Sein zur Zigarette ist als ausreichende Belohnung vorgesehen für das Durchstreichen aller Alternativen.

Die Aufgabe der Überreste von Lust oder Widerständigkeit wird in zahllosen anderen Zigarettenwerbungen zum souveränen Willensakt vexiert: Der HB-Mann, Vorläufer des Wutbürgers, unterdrückte und kanalisierte einst seine berechtigte Aggression im Rauch, für eine Camel solle man meilenweit durch die Wüste gehen, die West-Domina verordnete den ewigen Test (“…the West”), gehemmte Vorlust ist Programm wie die Garantie, dass es zur Lust niemals kommt. Lord verspricht vor allem weiblichen Kompensationswünschen ein kleines “extra” für das Opfer des Alltages in männlicher Dominanz. Lucky Strike lieferte sicherlich den Vorläufer der autoritären Ontologie der Marlboro-Werbung. Eine Urban Legend wollte im Verzicht auf menschliche Werbeträger (“nichts außer der Schachtel”) einen schuldbewussten Tribut an Krebsfälle bei Lucky-Strike-Girls deuten – wäre dies wahr, so wäre das verkaufsträchtige “sonst nichts” gleichzeitig eine recht zynische Instrumentalisierung von Trauer. Der alte disziplinierende Werbespruch von 1928 „Reach for a Lucky instead of a sweet.“ verrät hingegen das wahre Programm, die Affirmation des Opfers in der industrialisierten Gesellschaft und den Verkauf der Zigarette als äquivalentes Substitut.

Nachtrag:

Der Vergleich mit dem regressiven Hören liegt auf der Hand:

“Historisch gehört das regressive Hören einer Gesellschaft an, worin der Druck von Reklameerzeugnissen so unerträglich geworden ist, daß “dem Bewusstseinvor der Übermacht des annoncierten Stoffes nichts…übrigbleibt als zu kapitulieren und seinen Seelenfrieden sich zu erkaufen, indem man die oktroyierte Ware buchstäblich zur eigenen Sache macht.” (TW Adorno nach Alfred Schmidt in ZFS I:51*)

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Zu einem Kuriosum, das einem als Reisender begegnen kann, zählt die altruistische Gastfreundschaft in sehr armen Staaten. Das sprichwörtliche letzte Schwein wird geschlachtet, um dem alten Gastrecht keinen Makel zuzufügen. Deutsche reisen mit Motorrädern und Fahrrädern entlang irgendwelcher nostalgischer Handelsrouten. Sie werden beschenkt und eingeladen, im Austausch für ein wenig Plausch und auch mal eine Adresse. Wehe den Gastgebern, wenn sie selbst nicht einmal aus Abenteuerlust sondern schon von Folter und Hunger vertrieben Zuflucht in Deutschland suchen sollten. Was man Gästen und Flüchtlingen in Deutschland anzutun vermag, geht weit über Erkaltung oder Geiz hinaus, es ist schon Hass auf jene, die es wagen, hier auf ein Gast- und Asylrecht zu pochen, das noch in den ärmsten Staaten Afrikas Millionen einlösen können:

“Dreimal am Tag bekamen die Asylbewerber Brot mit Käse, mittags noch eine Suppe dazu. Das Brot wurde rationiert. Wenn die Heimbewohner nach mehr fragten, hieß es, es gebe für jeden nur zwei Scheiben. Aus Protest traten die Afghanen in einen Hungerstreik und randalierten in der Küche. „An so vielen Abenden bin ich hungrig zu Bett gegangen“, erzählt Sepehr. „Es waren übrigens auch schwangere Frauen dort, für die das bedrohlich war.“

Von Schneeberg im Erzgebirge ging es später nach Neustadt in der Sächsischen Schweiz. Dort wohnten die Asylbewerber in Containern. Einige der Bewohner waren schon seit Jahren hier. „Ein total verlassenes Dorf“, meint Sepehr. Nur alte Menschen auf den Straßen. Ständig wurde er angestarrt, im Supermarkt folgte ihm das Sicherheitspersonal. Die Vorstellung, an diesem Ort womöglich Monate verbringen zu müssen, quälte ihn.”

“Homosexualität: Ich bin ein Niemand.” V. Marian Brehmer: http://www.berliner-zeitung.de/gesellschaft/homosexualitaet–ich-bin-ein-niemand-,10808022,11376420.html

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