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Archive for August 2012

Ein Gesetzesvorschlag der deutschen Hochschulen will Ghostwriter und Nutznießer mit 2 Jahren Gefängnis bedrohen. Interessant ist der projektive Charakter des Gesetzesvorstoßes. “Wissenschaftsbetrug” soll das neue Verbrechen heißen. Die Begründung dafür lautet:

“Ghostwriter bringen die akademischen Grade und die Hochschulen, die sie verleihen, in Verruf”, sagte Verbandspräsident Bernhard Kempen. Das gehe zulasten der “großen Mehrzahl der Akademiker, die ihre akademischen Grade rechtmäßig durch Leistung erworben haben”.

Darin trotz noch ganz überkommener Stolz auf. Die Leistung der “rechtmäßig” erworbenen Grade besteht in den Geisteswissenschaften meistens aus jahrelanger unentlohnter Arbeit. Bei einer durchschnittlichen Promotionsdauer von 5 Jahren beträgt die Förderungshöchstdauer 3 Jahre, in seltenen Fällen wird ein halbes Jahr Abschlußstipendium gewährt, sofern man nicht ohnehin schon qua Interdisziplinarität durch institutionelle Netze fällt. Kinder, Krankheit oder Komplexität und Arbeitsaufwand von Themen werden in aller Regel nicht berücksichtigt. Die Promotionsförderung ist ein weitgehend arbeitsrechtsfreier Raum, es gibt keinen gewerkschaftlichen Vertretungsanspruch, keine Arbeitgeberbeiträge. Man gilt als “Selbstständiger”, ist aber von der Steuer befreit. Mit einem Nettolohn von 800 Euro nach Krankenkasse bewegt man sich mit 30 Jahren hochqualifiziert an der Armutsgrenze. Die Förderung ist gar nicht selten noch an unbotsmäßige Ausbeutung geknüpft, in der Lehre, Forschung für Betreuer, editorische Aufgaben, administrative Aufgaben (Tagungen organisieren, Werbeträger gestalten) abverlangt werden, selbstverständlich im höchsten Interesse der Promovenden und seines Lebenslaufes.

Mit dem Wettbewerb um Exzellenzcluster wird auch jede Promovendengruppe selbst zum Investment, das für die blinde Reproduktion des Status quo immer exotischere repräsentative Werbeträger erarbeiten soll: Konferenzen, Workshops, Exkursionen, Tagungen, Publikationen, etc. Das alles entsteht nicht aus der gerechtfertigten, logischen Konsistenz eines Forschungsthemas heraus, sondern wegen des Tauschwerts dieser doch meist äußerlich bleibenden Veranstaltungen. Forschung ist daher heute in weiten Teilen Kulturindustrie und wie bei jener bedarf es gar keiner eigenen Ideologie sondern nur der immerwährenden Wiederholung des Bestehenden, das als stummer Zwang der Verhältnisse naturhaften Charakter annimmt.

Jede Hochschule und Stiftung, die ein Promotionsstipendium oder eine rechtlich etwas besser gestellte Promotionsstelle vergibt, rechnet bewusst damit, dass die Förderungsdauer die reale Arbeitszeit unterschreitet und dass sie die Arbeitskraft der Promovenden um diverse Grade in andere Zwecke kanalisieren können. Die Rede von “Stipendien” wiegt Promovenden in einer trügerischen narzisstischen Grandezza und verschleiert ihnen selbst die eigene Ausbeutung. Eine klassische Umkehrung findet statt: Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden vertauscht, der Ausbeuter stellt sich als Wohltäter dar, der Ausgebeutete als Empfänger. Mit einem Quentchen Bildungsadel in spe kann man den Promovenden lange genug bei der Stange halten, in Wahrheit ist er Faktotum: der überwiegende Teil der Forschungsleistungen an Universitäten wird von Promovenden geleistet, danach erwartet sie im besten Falle Lehre und Bürokratie, im weniger guten Fall Arbeitslosigkeit oder Umschulung.

Hochschulen profitieren trotz einiger irrationaler Produktionslücken und noch nicht ganz eingeholter Marktrationalität in erheblichem Maße von ihren Investitionen in die Promovenden. Dass das alles nicht dem bösen Willen der einzelnen Akteure geschuldet ist, dass durch das automatische Subjekt Verschleierungsformen entstehen, ist selbstverständlich. Erwarten sollte man zumindest von Gesellschaftswissenschaftlern heute, dass sie Grundlagen solcher Verschleierungsformen bestimmen und reflektieren können. Die “Rechtmäßigkeit” von Promotionsleistungen in den Dienst zu nehmen, verschleiert, dass diese alles andere als rechtlich verregelt sind und die Hochschulen selbst den größten Teil der Misere zu verantworten haben, in der den Promovenden ihr Thema entweder so äußerlich oder so unbegreiflich wurde, dass sie ihre Arbeit von anderen schreiben lassen und dass sie dann noch damit rechnen dürfen, dass Prüfungskommission und Betreuer davon nichts ahnen werden.

 

 

 

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Die Rede von der Kultur war schon immer wider die Kultur, sagt unser alter Meister Adorno. Reden wir deshalb von Kultur. Kultur in Deutschland bedeutet zum Beispiel die katholische auf dem Dorfe, zu der ein Kind jüngst gegen den Willen der Mutter und dem Willen des Vaters entsprechend höchstrichterlich verdonnert wurde:

Unter Abwägung aller Umstände „erscheint es für das Kindeswohl förderlich und auch notwendig, den Besuch des Unterrichts und der Schulgottesdienste zu ermöglichen“, heißt es in dem abenteuerlichen Beschluss. Die Nichtteilnahme stelle aufgrund von „Ausgrenzung“ „eine Gefährdung des Kindeswohls dar“.

Nach Ansicht des Gerichts sei zu „berücksichtigen, dass die Kinder außerhalb der mütterlichen Wohnung sich in einem ländlich-katholisch geprägten Umfeld bewegen und christliche Symbole und Rituale für die Kinder nichts Fremdes darstellen, diese vielmehr als Teil des Alltags anzusehen sind“. So sei die Teilnahme am Religionsunterricht und an Gottesdiensten „lediglich eine Fortsetzung des Kontaktes mit Religion, den die Kinder bislang außerhalb der Haushalte der Eltern erlebt haben“. (Taz: 23.7.2012)

Auf einem katholischen Dorf – nehmen wir etwa jene aus einer alten geopolitischen Laune heraus wie Fliegen um den protestantischen Kuhfladen Marburg schwirrenden, düster vor sich hinrottenden Fachwerkmonster – auf einem solchen katholischen Dorf bedeutet dieser Kontakt mit Religion als Teil des Alltags zum Beispiel drei Meter hohe Christusstelen aus rotem Fels, der vor lauter Geißelung Christi mit gigantischen, mehrschwänzigen Peitschen starrt. Eingemeißelte Sinnsprüche scheinen direkt der ästhetischen Tristesse der verregneten Vorgärten entsprungen zu sein: “Sieh, oh Mensch, mich an und frag ob mein Leid deinem gleichen kann.” Man kann das tolerieren als Zeichen der Geschichtlichkeit und gegen ikonoklastische Zerstörungsversuche sollte man sogar diese sadomasochistischen Sandsteinungeheuer verteidigen.

Der “Kontakt mit der Religion” muss aber trotz dieser Öffentlichkeit von Religionsdruck gar nicht notwendig stattfinden, solange Eltern sich nicht in das Kollektiv einschweißen. Natürlich wird jeder in Kirchennähe um 6 Uhr morgens aus dem Bett geläutet, auch wenn heute jeder Laden und jeder Friedhof erst um zehn öffnet und atomuhrbeweckerte Bauern ohnehin schon um vier beim Melken sind. Und selbstverständlich werden Kinder indoktriniert. Etwa dazu, in der Karwoche um 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends mit dem Ratschenlauf die Glocken zu ersetzen. Übermüdete Kleinkinder werden dann von irgendeiner engagierten Furie vor sich her getrieben, damit sie nicht umfallen. Im Anschluß lernen sie das offizielle Spendensammeln für diesen Dienst am Herrn, während man “Zigeunern” und “Scheinbettlern” ganz christlich die Haustür zuschlägt und das Betteln mit Kindern gerichtlich verfolgt. Das christliche, ehrbare Spendengeld soll natürlich stets irgendwo einem guten Zweck dienen und zur Belohnung kriegt das Kind dann an Weihnachten eine neue Spielkonsole für 270 Euro, weil es so artig fromm war und damit es nach Weihnachten noch Sternsingen geht. Weil es sich in seiner medial marginalisierten Freizeit eventuellst doch mit “Asylanten” aus nahegelegenen Flüchtlingsgefängnissen einlassen könnte, wird es zum Meßdienern und zur Mitgliedschaft in der KJG angehalten. Sollte immer noch Zeit für kritische Gedanken bleiben, wird es mit weiteren üppigen Geschenken zur Kommunion oder Konfirmation überredet, dann hagelt es Motorroller, I-Phones, Snowboards. Bei jedem Kirchgang passiert das sozial integrierte Kind ein Heldendenkmal, das ihm die armen deutschen Soldaten der beiden Weltkriege als Vorbilder und wahre Christen anempfiehlt, ein jährlich erneuerter Kranz der Universitätsstadt leistet offiziösen Hintergrund-Applaus, in Trachtenröcke gewickelte Öhmchen gießen die schmückenden Petunien in Angedenken an ihre gefallenen Helden der Ostfront.

Wer einem solchen Richterurteil entgeht und in wohliger Ausgrenzung nicht an diesem Spektakel teilhaben muss, räkelt sich im Bett mit Astrid Lindgren, Enyd Blyton, Charlaine Harris oder J.K. Rowling. Während in meinem einstigen, badischen Heimatdorfe andere in den Konfirmandenunterricht oder zum dort stark vertretenen syrisch-orthodoxen Pendant mussten, studierte ich auch gern die “Dokumente der Weltrevolution: Der Anarchismus” aus dem Regal der Eltern oder ich las Emile Zolas “Bestie Mensch”. Mein kindlicher Hang zur Blasphemie beschränkte sich auf naive Vorträge darüber, dass Gott ja ein Sadist sein müsse oder es ihn nun mal nicht gebe, was ältere weibliche Nachbarn zu erschrocken geschürzten Mündern reizte. Nicht fehlte ein infantiler, antireligiöser Antisemitismus von dem ich glücklicherweise durch Kritik und diverse Lektüren geheilt wurde. Als Student las ich dann die Bibel, von vorn bis hinten, was mir einen erstaunlichen intellektuellen Vorteil gegenüber jenen verschaffte, denen das Ganze wegen Bibel- und Religionsunterricht völlig äußerlich geblieben war. Auch den Koran, versteht sich. Leider nicht auf Arabisch, aber dafür ganz durch. Und Nietzsche, den Verkannten. Mir lag nun nicht mehr soviel an Blasphemie als am Verstehen, warum Menschen diese Projektion akzeptieren und wie die atheistische Aufklärung über bloße nihilistische Negation des Christentums hinaus gehen könnte. Eines konzedierte ich jedoch nie: Dass die Nichtexistenz Gottes nicht beweisbar wäre, und daher nur Agnostizismus angebracht sei. Die Mysterien des Universums, der Mikrobiologie, der Psychosomatik oder der Tiefseezoologie mit dem religiösen Gottesbegriff zu vermischen, aus der von seriösen Wissenschaften ausgehaltenen Unsicherheit über offene Fragen der Astrophysik die Möglichkeit einer Existenz irgendeiner weltweit präsenten Gottesprojektion zu extrahieren, ist schlichtweg ein dummer Kategorienfehler.

Zeitgleich zu meiner eigenen Entradikalisierung des Atheismus entradikalisierte sich die christliche Religion. Der Religionsunterricht wurde während meiner Schulzeit langsam mit dem Ethikunterricht ergänzt, Kreuze in Klassenzimmern wurden in Frage gestellt, Kirchen leerten sich oder wurden ganz verkauft und Religion befand sich definitiv auf dem Rückzug.

Sie ist spätestens seit den islamischen Karikaturenkriegen wieder da, und sie nimmt aktuell das Judentum in Schutzhaft. Nicht nur das klerikalfaschistoide, antisemitische Kreuz.net entdeckt plötzlich Sympathien für das Judentum. Martin Mosebach, ein, es ist wirklich ZU infantil um lustig zu sein: “Büchner-Preisträger”, forderte jüngst in der FR ein ganz ökumenisches Verbot der Blasphemie, als gäbe es nicht selbiges schon längst. Matthias Mattussek leistet ihm im Spiegel Schützenhilfe, wegen der Beschneidungsdebatte sei ein Nachdenken über die Eindämmung der Blasphemie angeraten. Robert Spaemann schließt sich der Front in der Faz an:

Das deutsche Recht und mehr noch die deutsche Rechtsprechung muten es dem religiösen Bürger zu, dass das, was ihm das Heiligste ist, ungestraft öffentlich verhöhnt, lächerlich gemacht und mit Schmutzkübeln übergossen werden darf.

Irgendein Trauerkloß von Erzbischof wittert dieselbe Morgenluft und kopiert das natürlich sofort ab. Und im Tagesspiegel flennt sich Malte Lehming über die “Diktatur des Rationalismus” aus, die kalt und herzlos “die Toleranz auf dem Altar des Humanismus” opfere. Der individualistische Rationalismus in seiner “Eintönigkeit” mache dem kollektiven, bunten Fastnachtsfest der Religionen und Kulturen die Farben und Formen madig. Ganz ähnlich überqualifiziert wertet sich Volker Heise in der FR an einem Phantom von “durchsäkularisierten” Deutschen auf, denen er das schlimmste aller Verbrechen unterstellt: keine Hoffnung zu haben. Anders als christoide Menschen würden sie ihr Heil nur in “Rentenversicherungen,  Fernsehapparaten, oder Ferien auf Mallorca” suchen, in einer unglaublich “vornehmeren Variante” seien es “Apple-Computer, Theaterbesuch, Haus in der Uckermark oder im Taunus”. Ihre Kinder würden durchsäkularisierte Deutsche mit 1,8 Tonnen Ritalin jährlich füttern, während die Kirche doch für konzentrationsfördernde Therapien bekannt ist. Zum Beispiel durch jenen katholischen Franziskanermönch Brzica, der im Jahr 1942 in Serbien sehr konzentriert in einer einzigen Sommernacht 1360 gefangenen Serben und Juden die Kehle durchschnitt. Und was den vor Religionsstolz berstenden Heise ausgerechnet darauf bringt, den desolaten Immobilienmarkt in der braunen Uckermark gegen die christliche Fürbitte auszuspielen oder ein Haus im Fichtenforst Taunus gegen die Eucharistie? Vielleicht hat er in protestantischer Erwerbsethik gefehlt.

Nun ist solcher eitle, schleimige, altherrenreligiöse Furor altbekannt, schon Descartes schien sich bereits in einer Art Abwehrkampf gegen “Atheisterey” zu befinden und Sokrates hatte bekanntlich die schönen Götter beleidigt. Speziell interessant wird das aktuelle, an der Beschneidungsdebatte aufgeladene Theater der Kulturkämpfer, wenn sie wie bei Spaemann einmal konkret werden:

Stellen wir uns vor, es erschiene irgendwo das Bild einer Gaskammer mit der Überschrift „Arbeit macht frei“, in der sich zahllose halbtote Frösche befänden. Niemand würde hier bestreiten, dass das Beleidigtsein von Menschen objektiv gerechtfertigt ist. Die Leugnung des Mordes an sechs Millionen Juden sollte zwar so wenig strafbar sein wie die Leugnung des Kreuzestodes Jesu zum Beispiel im Koran. Sie ist einfach eine falsche Tatsachenbehauptung. Für Wahrheitsfragen aber ist der Staat nicht die entscheidende Instanz. Die Verhöhnung der Opfer dagegen wäre eine objektive Beleidigung, die mit Recht nicht straffrei bliebe.

Spaemann stellt sich in dieser Ausgeburt seiner pathischen Projektion also tote Juden als halb(!!!)tote Frösche vor. Gerade mahnt uns schon Lehming an, dass Rationalisten ja auch Augen auf Fotos ausstechen würden ohne Skrupel zu empfinden, nun kommt hier noch so ein heimlicher Psychopath und bringt mental Frösche in Gaskammern “halb” um, natürlich nur, um im besten Interesse der so verhöhnten Opfer etwas zu illustrieren. Dieses Etwas stellt sich so dar: Für Christen sei Gotteslästerung so schlimm wie eine zynische Verspottung von Shoah-Opfern für Juden und Atheisten. Die Verspottung nimmt Spaemann aber erst einmal selbst vor, in kurioser Ermangelung handgreiflicher und wirklich absurder Bösartigkeiten. Man müsse halt nur einmal drastisch vor Augen führen, was Blasphemie so bedeute und als Beispiel nimmt man dann das, was den Juden wohl so der Gott sein müsse, nämlich die Gaskammern. Und steckt da dann halbtot herumzappelnde Frösche rein. Als Gedankenspiel. Man wird ja wohl  noch, im Namen des Herrn. Sonst wäre ja Blasphemie gar nicht begreiflich zu machen, den gaskammeranbetenden Juden, Nazirationalisten und Blasphemikern, die gar nicht fühlen und wissen, wie heilig und groß und prächtig so ein christlicher Gott ist, der natürlich trotz der so feinsinnigen, spielerischen Gleichsetzung gar nichts mit Gaskammern zu tun habe. Dank Spaemann durften wir nun wirklich an Leib, Geist und Seele fühlen, wozu ein tonnenschwer gekränkter ungeglaubter Glaube bei schlecht getauften und durchaus heftig delirierenden Christen in der Lage ist.

In der Beschneidungsdebatte verläuft das ähnlich niveauvoll. Religionen, die über Jahrtausende aus ganz religiösen Gründen Pogrome durchführten, kumpeln nun das Judentum an, weil dessen offizielle Vertreter ein Ritual der Genitalverstümmelung gegen legitime Kritik und einiges antisemitisches Ressentiment verteidigen und dabei leider nicht immer genau trennen können. Die christlichen Reaktionäre wittern in dieser Gemengelage die einmalige Chance, hier das Judentum als menschliches Schutzschild für ihre Restauration des religiösen Kollektivzwangs instrumentalisieren zu können. Sie stellen dabei auf den Erfolg des Islamismus ab, der den Paragraph 166 StGB auf sich selbst zurückführte:

§ 166
Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen

(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

Die unfriedlichen Religionen erhalten demnach Recht gegen die Blasphemie, wo friedliche Religionen beschimpft werden, ist der öffentliche Friede nicht gestört. Das ist auch das Problem von Mosebach, Mattussek und Spaemann. Das Christentum mauzt nur noch gelegentlich auf, etwa wenn der Papst als inkontinent karikiert wird. Nicht ein Blasphemieverbot wollen sie einfordern, sondern Unfrieden anstiften. Wozu ihnen, wie sie bewiesen haben, wirklich jede Geschmackslosigkeit und Stumpfheit recht ist, die sie dann dem Rationalismus als Mangel an Empathievermögen auf die Rechnung schreiben.

Dagegen lässt sich Blasphemie nur als adäquate Protestform betreiben und begreifen, als dialektische, notwendige Entsprechung zu narzisstisch dauergekränkten, erzchristlichen und neosensualistischen, kommunitaristischen Restauratoren. Gegen solche Zumutungen hat jedes Titanic-Titelbild sein Recht und darin ist Gesellschaft tatsächlich noch zu rerevolutionieren durch einfachsten Fäkalhumor und auf diese lächerliche, stumpfsinnige, beleidigte, zur Solidarität unfähige, faule, mit dem Lockenfrosch gepuderte, hirngespinstige, pathisch daherprojizierte, selbstermächtigende, widerwärtig lügende, kastrierende, menschenopfernde und kannibalisierende, sadistische, wahnsinnige, wagnerhörende, unbelesene, ranzige, autodafierende, pogromierende, abschiebende, füsilierende, garottierende, faschisierte, flachsinnige, partout nicht zu entblödende, von siebzehnschwänzigen Fuchsgespenstern aus allen chinesischen Provinzen gerittene Gottesprojektion der Christen gemünzte Unflätigkeiten.

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